Assemblagen des Kunst-Grundkurses in Anlehnung an Pablo Picassos „Violine“ (1915)

Picassos „Violine“ markiert einen Wendepunkt: Statt ein Instrument zu malen, setzt er es aus Materialien zusammen – Pappe, Holz, Papier, Schnur. Aus Bild wird Objekt, aus Oberfläche wird Relief. So rückt nicht mehr die Illusion ins Zentrum, sondern das Sehen selbst: Wie entsteht ein Bild? Was ist echt, was Zeichen?

Um 1912/15 suchten Künstlerinnen und Künstler Wege aus der bloßen Nachahmung. Die Welt der Dinge (Industrieprodukte, Drucke, Fundstücke) drängte in den Alltag. Assemblage reagiert darauf, indem sie Realität ins Werk holt. Dinge werden Träger von Geschichte, Spur der Zeit und Material zum Denken.

Die Assemblage verlangt eine Auswahl mit Sinn, denn jedes Fundstück bringt Bedeutung mit, nichts ist neutral. Konstruktion braucht Plan: Kleben, Schrauben und Schichten müssen Statik und Bildordnung tragen. Materialien treten in Dialog; unterschiedliche Oberflächen und Farben dürfen reiben und sollen doch zusammenfinden.
Idee geht vor Effekt. Die „Wirklichkeit“ der Dinge überzeugt nur, wenn sie eine starke Bildaussage stützt. Dabei gilt es die Dauer im Blick zu behalten, denn Materialien altern und reagieren, auch das wird Teil der Aussage des Werks.

Heute erweitert Assemblage den Bildraum zwischen Bild, Relief und Skulptur; zwischen Kommentar, Kritik und Poesie. Sie macht Recycling sichtbar, mischt Analoges mit Digitalem und lädt uns ein, Bedeutungen neu zu verknüpfen.

Der Grundkurs Kunst des zwölften Jahrgangs knüpft daran an. Ausgehend von Picassos „Violine“ erprobten die Schüler:innen die Möglichkeiten der Assemblage: recherchieren, sammeln, auswählen, montieren. Entstanden sind eigenständige Arbeiten, in denen Realität und Fiktion ineinandergreifen, präzise gebaut, klar gedacht, offen für die Geschichten der Dinge.

(STO)

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